28.08.2011 – Pedrouzo – Santiago de Compostela

Der Morgen ist gekommen. Noch 20 km also circa 4 Stunden laufen. Ich will um 12 Uhr in Santiago zur Messe sein und hoffe das Weihrauchfass schwingen zu sehen. Ich bin um 07:00 Uhr mit Schmerzen im Bein aufgestanden. Mein Spanischer Raumgefährte war schon seit ca. 6:30 Uhr unterwegs. Als ich um 07:27 Uhr aus dem Haus ging war ich der 3 Letzte noch, in der 130-Betten fassende Pilger Haus verbliebene Pilger!

Ich dachte mir dabei noch. Sind die alle verrückt? Was wollen die alle so früh in Santiago.

Ich also dann los mit meinem schmerzenden Bein, humpeln in Richtung Kathedrale von Santiago de Compostela. Das Laufen war höllisch und wurde immer Schlimmer. Unterwegs haben mich unter anderem wieder die unfreundliche englisch sprechende 3-er Gruppe überholt. Sie sind wieder an mir vorbeigeschossen ohne zu grüßen. Das fällt auf dem Camino auf, den normalerweise gibt es immer zumindest ein kurzes Hola oder Buen Camino.

Ich habe mir jetzt die Kathedrale sehnlichst herbeigesehnt und es war für mich auch nur mein Wille, der mich nach Santiago getragen hat. An dem Monte Guzo hat man einen atemberaubenden Blick auf die Stadt Santiago. Man sieht hier zum ersten Mal das Ziel, allerdings ist dies mit Schmerzen noch ein weiter weg 🙁

In Santiago ging es zum Schluss noch durch einen Teil der Altstadt. Im Tor bei der Kathedrale bin ich dann mit Duddelsack Musik empfangen worden. Das hat richtig zu meiner Stimmung gepasst. Um 11:42 Uhr bin ich dann endlich auf dem Vorplatz der Kathedrale angekommen. Ich habe mir dann erst einmal Zeit genommen, mich etwas auf dem Platz umzuschauen und mit einigen anderen Pilgern gesprochen, die ich von meinem Weg kannte. Dann ging es pünktlich zur 12 Uhr Pilgermesse in die Kirche des heiligen Jakobus. Von Außen sieht die Kathedrale sehr groß aus, innen ist sie mir aber kleiner vorgekommen als ich dachte.

Ich habe mich dann auf dem Kirchboden niedergelassen und ein wenig der Messe auf spanisch gefolgt. Dann habe ich meine Schuhe und Socken ausgezogen und meine Slipper angezogen.

Das Bein brannte wirklich, aber Halb Santiago ist ein Lazarett, so ist es mir zumindest vorgekommen. Aber man sieht ja immer das, auf was man sich fokusiert 🙂

Dann habe ich gedacht, den Botafumeiro zu sehen und vom Boden aus einige Bilder gemacht.

Während der Messe ist nur noch der rechte Seiteneingang offen, alle anderen Eingänge sind sonst verschlossen.

Als ich dann genug hatte, und den Eindruck hatte, das ich das Weihrauchfass nicht mehr schwingen sehen werde, ich hatte ja keine Vorstellung davon, bin ich dann rüber und durch den Seiteneingang rausgehumpelt.

Ich war jetzt auch quasi schon fast richtig für mein nächstes Ziel. Den Ort an dem ich die Compostela (Sündenerlass) erhalten konnte. Nach 30 Minuten war ich vorne an einem Schalter. Die Dame wunderte sich ein wenig, das ich auf einem Formular nicht religiös und nicht spirituell angekreuzt habe. Trotzdem bekam ich meine Compostela ausgestellt. Danach ging es in die Touristen Information von Santiago. Ich habe wieder eine Albergue gesucht und der freundliche, gut englisch Sprechende Spanier hat mir die verschiedenen Alberguen auf einem Plan eingezeichnet. Da ich nur mit viel Willen laufen konnte bin ich also zur nächstgelegenen Albergue „gesprintet“. Jedoch waren dort leider alle Betten ausgebucht. Also bin ich in die nächste Albergue gezogen und hoffte darauf, dieses Mal ein freies Bett zu erhaschen. Die Albergue war zwar von außen ganz schön runtergekommen und drinnen war es auch nicht viel besser. Aber es war wenigstens ein Bett für mich frei. In der Schlange vor der Rezeption hatte ich gleich Kontakt mit einem sehr gut englisch sprechenden Spanier. Wir haben dann beide unsere Koje in dem gleichen Zimmer bekommen. Leider musste ich auf meinem Trip zum ersten mal ein oberes Bett nehmen da alle unteren schon belegt waren.

Wir haben beide erst einmal ein Mittagsschläfchen genommen und abends haben wir uns Reis und noch irgendwelche Meeresfrüchte reingezogen (ich möchte gar nicht wissen was es war, aber der Hunger trieb es rein).

Nach dem Essen sind wir noch zusammen in die Altstadt gelaufen (ich gehumpelt). Dort haben sich die Wege von Diego und mir getrennt. Ich habe mir noch einen Döner Pollo reingezogen und bin noch nach einem kurzen Streifen durch die schöne Altstadt wieder ins Bett um den Fuß hochzulegen.

Mit erschrecken stellte ich fest, das die 3 englisch sprechenden mit mir das Zimmer teilen. Sie kamen mit einem kurzen Hola ins Zimmer und sonst waren sie wieder nur mit sich selbst beschäftigt.

Als am frühen Abend die 3 wieder gekommen sind, hat die Neuseelanderin (mit Tassmanischer Abstammung) gemerkt, das ich meinen Fuß hochgelegt habe. Sie wollte in sich dann anschauen und hat in dann gleich mit Salbe eingeschmiert und in danach massiert. Wow, dachte ich mir. Ihr slovenischer Freund hat schon ganz Eifersüchtig geschaut 🙂

Danach ist sie noch an den Kühlschrank in der Küche und hat eine halbvolle 1,5L Pepsi-Flasche von jemanden rausgenommen und mir zur Kühlung aufs Bein gelegt.

28.08.2011 – Pedrouzo – Santiago de Compostela

Nick Horn ist für den Blog Nicks-Lifestyle.de verantwortlich und interessiert sich für die Themen Lifestyle, Technik, Sport und Reisen. Motto: Der Weg ist das Ziel.

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